Capital Wirtschaftsnachrichten


10.01.2026 10:00
Manche Kollegen nerven einfach. Sie nörgeln, meckern, manipulieren und vergiften die Stimmung eines gesamten Teams. Wie geht man mit ihnen richtig um? Fünf Experten-Tipps.
10.01.2026 08:00

Donald Trump will Venezuelas Ölboom erzwingen. Doch die großen US-Ölkonzerne bremsen. Nach Enteignungen, Sanktionen und Milliardenverlusten verlangen sie harte Garantien

US-Präsident Donald Trump stellt es sich ganz einfach vor. Amerikanische Ölkonzerne sollen nach der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro Milliarden in die marode Öl-Infrastruktur des Landes investieren und fette Gewinne erzielen. Doch noch bevor sich Trump am morgigen Freitag mit den drei größten US-Ölkonzernen Chevron, ConocoPhillips und Exxon Mobil im Weißen Haus trifft, zeichnet sich ab: Die US-amerikanischen Ölmultis fordern von der Regierung in Washington erst einmal ernsthafte Garantien für umfangreiche Investitionen in Venezuela. Die Manager dringen auf starke rechtliche und finanzielle Absicherungen, bevor sie Kapital zusagen, wie die „Financial Times“ berichtet.

Besonders eine Vorgeschichte prägt laut dem Öl-Analysten Nils Müller von der Hamburger Commercial Bank (HCOB) die aktuelle Skepsis gegenüber einem neuen Engagement in Venezuela. Die Verstaatlichung zahlreicher ausländischer Ölprojekte ab 2007 hat gerade für ExxonMobil und ConocoPhillips milliardenschwere Verluste bedeutet. Beide Unternehmen führen bis heute internationale Schiedsverfahren und fordern Milliardenbeträge für die damalige Enteignung.

Trump muss Garantien liefern

„An erster Stelle steht für die Ölkonzerne rechtliche Klarheit“, sagt Müller. Chevron und Co. würden demnach vermutlich verbindliche Zusagen erwarten, dass US-Sanktionen aufgehoben oder langfristige Sondergenehmigungen erteilt werden. Ebenso wichtig dürften der Schutz vor erneuten Enteignungen sein sowie die Möglichkeit, bestehende Forderungen aus früheren Enteignungen durchzusetzen. „Ohne diese Garantien bleibt das Risiko, Milliardeninvestitionen zu verlieren, sehr hoch“, so Müller.

Zu den gewünschten finanziellen Absicherungen könnten laut dem Rohstoff-Experten „Garantien für Entschädigungen bei politischen Risiken und gegebenenfalls Abnahmeverträge gehören, die Absatz und Preisstabilität gewährleisten“ gehören. Solche Mechanismen seien in Märkten mit hoher Unsicherheit durchaus üblich, um Investitionen kalkulierbar zu machen. Unabhängig davon könnten die Unternehmen laut Müller wahrscheinlich auch Schutz für ihre Mitarbeiter und Anlagen angesichts der anhaltenden Sicherheitsprobleme, schwacher Infrastruktur und politischer Unsicherheit im Land fordern.

Neue Marktteilnehmer zögern allerdings nicht nur wegen fehlender Beziehungen, Personal und logistischer Kapazitäten, Milliarden in die marode Infrastruktur zu investieren. Laut Analysten dürfte es Jahre dauern, um die Produktion wieder deutlich zu steigern. Hinzu kommt: Das Interesse am venezolanischen Ölmarkt hält sich auch angesichts der weltweiten Überproduktion und dem relativ niedrigen Ölpreis von rund 60 US-Dollar pro Barrel derzeit in Grenzen. Analysten zufolge liegt die Gewinnschwelle bei durchschnittlich 80 US-Dollar.

Erste Interessenten

Auch wenn zunächst niedrige Preise ein Faktor sein könnten, die potenzielle Investoren abschrecken, weil geringe Margen die Rentabilität großer Projekte infrage stellen, gibt Energiestratege Thomas O'Donnell zu bedenken: Seit einiger Zeit testen Ingenieure verschiedene Verfahren, um die Förderkosten deutlich auf etwa 20 Dollar pro Barrel zu senken. „Diese Tests zeigen, dass das Potenzial besteht, auch bei niedrigen Preisen profitabel zu produzieren, wenn die richtigen Methoden und Investitionen eingesetzt werden“, sagt O'Donnell. Der Experte denkt nicht, dass es langfristig ein grundlegendes Problem sein wird, in Venezuela Geld zu verdienen. „Vorausgesetzt, die Förderung wird technisch effizient umgesetzt und die nötigen Investitionen fließen in die richtigen Projekte.“

Einem „Bloomberg“-Bericht zufolge erwägt bereits das Unternehmen Citgo Petroleum, eine indirekt im Besitz des venezolanischen Staates befindliche US-Firma, die Wiederaufnahme ihrer Käufe zum ersten Mal seit der Unterbrechung ihrer Lieferungen durch US-Sanktionen im Jahr 2019. Der Handelsriese Trafigura Group und andere wollen laut „Bloomberg“ zumindest Gespräche mit der US-Regierung darüber führen, wie sie wieder Rohöl aus Venezuela kaufen und das Land mit Kraftstoff versorgen können, sagte der globale Leiter der Ölsparte des Unternehmens.

Regierungsvertreter stehen derweil laut Informationen der Nachrichtenagentur Dow Jones bereits in Kontakt mit Führungskräften der Ölindustrie und drängen sie, Ideen zu entwickeln, wie sich am besten Geld mit dem Öl Venezuelas verdienen ließe. Erwogen werde unter anderem, venezolanisches Öl an eine Reihe von Händlern und internationalen Energieunternehmen zu verkaufen.

Die Macht der US-amerikanischen Ölmultis in den Gesprächen mit Trump ist laut Öl-Analyst Müller erheblich. Ohne ihre Investitionen lasse sich dessen Wunsch, Venezuelas Ölproduktion schnell hochzufahren, kaum umsetzen. Sollten die Unternehmen ihre Investitionen verzögern oder zurückhalten, würde das den Zeitplan für eine Produktionssteigerung deutlich bremsen. „Die Trump-Administration kann die Forderung nach Garantien deswegen schwer ignorieren“, sagt Müller.

Der US-Konzern Chevron, der bis dato mit einer Sondergenehmigung Öl in Venezuela fördert, musste zuletzt wegen Sanktionen seine Exporte in die USA auf rund 100.000 Barrel pro Tag drosseln – zuvor waren es noch 250.000 Barrel. Insidern zufolge verhandelt das Unternehmen bereits mit Washington über eine deutliche Ausweitung seiner Geschäftstätigkeit in Venezuela. Ziel sei es, die Lizenz so zu erweitern, dass Chevron wieder mehr Rohöl aus dem südamerikanischen Land exportieren könne, sagten vier mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Exporte sollen sowohl an eigene Raffinerien gehen als auch an andere Käufer verkauft werden dürfen. Eine erweiterte Lizenz würde es Chevron ermöglichen, zu früheren Exportmengen zurückzukehren.

Die Verhandlungen fügen sich in umfassendere Gespräche zwischen den USA und Venezuela ein. Dabei geht es um die Lieferung von bis zu 50 Millionen Barrel venezolanischen Öls in die USA. Laut US-Energieminister Chris Wright wollen die USA den Verkauf venezolanischen Öls „auf unbestimmte Zeit“ in ihre Hand nehmen. Um den Kauf von zuvor sanktioniertem Öl zu ermöglichen, plant die US-Regierung, die Sanktionen gegen Venezuela in den kommenden Tagen selektiv zurückzunehmen.

Der Beitrag ist zuerst bei ntv.de erschienen. Das Nachrichtenportal gehört wie Capital zu RTL Deutschland.

09.01.2026 18:02

An den US-Börsen wächst die Erwartung eines Ausnahmejahres. Gleich mehrere Tech-Schwergewichte könnten ihr Börsendebüt feiern – auch in Europa gibt es gute Kandidaten

Für Liebhaber von Tech-Aktien könnte das Jahr 2026 reichlich neue Auswahl bieten. In den USA wird eine Welle von neuen Börsengängen erwartet, die das Rekordniveau aus der Pandemiezeit erreichen oder sogar übertreffen könnte. Bereits 2025 sammelten Unternehmen bei Börsengängen in den USA rund 47,6 Mrd. Dollar ein, wie Daten von „Bloomberg“ zeigen. Das ist mehr als im Jahr zuvor – liegt aber noch deutlich unter dem Höchstwert von 195,2 Mrd. Dollar aus dem Jahr 2021.

Das könnte sich in den nächsten Monaten ändern. Für Rückenwind sorgt das Marktumfeld: Der US-Leitindex S&P 500 legte 2025 (in Dollar gerechnet) um rund 16 Prozent zu – auch wenn die Verunsicherung zwischenzeitlich hoch war. Der bekannte Volatilitätsindex VIX, der genau das misst, ist inzwischen allerdings deutlich zurückgefallen. Das heißt auch, dass Firmen zuversichtlicher werden, was einen IPO angeht. Besonders viel Aufmerksamkeit gilt dabei dem möglichen Börsengang von SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk peilt Insidern zufolge eine Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar an. Der Börsengang könnte mehr als 30 Mrd. Dollar einbringen und wäre damit der größte seiner Art.

Daneben gibt es im Technologiesektor eine Reihe weiterer Kandidaten, die 2026 für neue Rekorde an den Börsen sorgen könnten:

09.01.2026 17:30
Die Diskussion um eine Annexion Grönlands durch die USA hat in Europa Verunsicherung bis Empörung ausgelöst. Wer bislang eher wenig zu Wort kam: die knapp 57.000 Einwohner selbst
09.01.2026 16:39
Was verdienen Ärzte, Handwerker oder Ingenieure? Ein Gehaltsreport zeigt die Jahresgehälter in verschiedenen Berufsgruppen – von unter 50.000 Euro bis über 100.000 Euro
09.01.2026 16:30

Trump will US-Konzerne dazu bringen, Öl aus Venezuela zu fördern. Doch die sind eher skeptisch

Trump will US-Konzerne dazu bringen, Öl aus Venezuela zu fördern. Doch die sind eher skeptisch

09.01.2026 16:00

Nach seinem Coup in Venezuela agiert Donald Trump zunehmend machttrunken, für ihn gilt nur noch das Recht des Stärkeren. Europa muss endlich aufhören, sich an eine alte Hoffnung zu klammern

In den vergangenen Tagen bin ich einige Male gefragt worden, ob wir bei Capital eine Glaskugel haben. Oder Zugang zu irgendwelchen Geheimplänen der US-Regierung. Anlass war unsere Geschichte über Grönland in der jüngsten Ausgabe von Capital, die kurz vor Weihnachten erschienen ist: das Ringen von Investoren und Regierungen um die großen Rohstoffvorkommen auf der Insel und die skeptische Haltung der Inselbewohner, die ihre reiche Tradition und Kultur bewahren wollen.  

Leider muss ich zugeben, dass wir weder eine Glaskugel in der Redaktion haben (jedenfalls keine besonders hilfreiche), noch erhalten wir regelmäßig Geheiminformationen aus Washington. Eher bemühen wir uns um ein gutes Gespür für Themen und Lagen – und manchmal haben wir auch einfach ein glückliches Händchen. Wer es noch nicht getan hat und nun noch mal die ganze Geschichte nachlesen möchte, warum US-Präsident Donald Trump unbedingt die riesige Insel im Nordatlantik zu einem Teil der USA machen möchte: bitte hier entlang. Mein Kollege Daniel Hüfner ist zudem der Frage nachgegangen, was ein Kauf Grönlands wohl kosten würde, den US-Außenminister Marco Rubio zuletzt ins Spiel gebracht hat.  

Ansonsten hat dieser turbulente bis stürmische Jahresauftakt gezeigt, dass in all dem Chaos und Bohei, das Donald Trump und seine Administration umgibt, es doch eine recht zuverlässige Konstante gibt: Was Trump (oder seine Leute) sagen, das meinen sie meist auch so. Mag sein, dass mitunter andere Themen dominieren und eine Weltlage dazwischen grätscht, aber man kann sich ziemlich sicher sein, dass irgendwann, wenn es ihm wieder beliebt, Trump auf seine alten Themen und Forderungen zurückkommen wird.

Trump meint es ernst mit Grönland

Dies zu Jahresbeginn einmal so klar festzuhalten, kann für die kommenden Monate vielleicht noch ganz nützlich sein. Wir sollten Trumps Ansinnen, er „brauche“ Grönland („We need Greenland.“) nicht als das nehmen, wonach es klingt (die überdrehte Laune eines Kindes), sondern schon als die ernstgemeinte Willensbekundung des mächtigsten Mannes der Erde – so beängstigend das ist. Mich hat diese Woche am meisten das Interview von Stephen Miller verstört, seines Zeichens stellvertretender Stabschef im Weißen Haus. In einem bemerkenswerten CNN-Interview sagte Miller nach dem Sturz von Venezuelas Diktator Nicolas Maduro, man könne gerne nett über Regeln reden und die Diplomatie pflegen, aber „wir leben in einer Welt, der realen Welt, die regiert wird von Stärke, von Macht und Kraft“. Die USA seien eben eine Supermacht, und als solche würden sich die USA „unter Trumps Führung auch benehmen wie eine Supermacht“.  

Will sagen: Alle Konventionen, die sich weite Teile der Welt nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gegeben haben, um Konflikte und Meinungsverschiedenheiten friedlich zu lösen, gelten nicht mehr – im Jahr 2026 gilt allein das Recht des Stärkeren. Die Schwachen können sehen, wo sie bleiben.

Für Venezuela und alle, die nach dem Sturz des Diktators auf eine Rückkehr zu Freiheit und Demokratie gehofft haben, bedeutet das: Darauf werden sie lange warten müssen. Trump und seine Leute haben daran kein Interesse. Sie haben einen Deal gemacht mit Maduros langjähriger Stellvertreterin, die nun seinen Posten übernommen und sich offensichtlich auch mit den Amerikanern arrangiert hat. Bestenfalls geht es Trump in Venezuela um einen exklusiven Zugang zum Öl, ihn wirklich nutzen und davon profitieren kann er nicht, wie meine Kollegen Kilian Schroeder und Nils Kreimeier recherchiert und analysiert haben. Vielleicht ging es ihm daher auch einfach nur darum, tatsächlich Russen und Chinesen aus seinem Hinterhof zu vertreiben.  

Bemerkenswertes Interview von Trump

Ähnlich ist die Lage in Grönland: Zugang zu Rohstoffen und alle Möglichkeiten zum Ausbau der US-Militärpräsenz hat er schon jetzt unter den geltenden Regimen, dafür müsste er keinen Konflikt innerhalb der Nato mit Dänemark und Europa vom Zaun brechen. Wahrscheinlich geht es ihm auch hier eher um die Befriedigung seines Egos: Er will Grönland, weil er es wollen kann, denn niemand wird ihn aufhalten – und dann wird er es wahrscheinlich auch tun.  

Oder, wie er der New York Times in einem bemerkenswerten Interview dieser Tage sagte: Es gebe nur eine Instanz auf der Welt, die ihn davon abhalten könne, etwas zu tun – „meine eigene Moral, mein eigener Verstand. Das ist die einzige Instanz, die mich stoppen kann“. Das Völkerrecht brauche er hingegen nicht. 

Angesprochen auf Grönland sagte er: Natürlich könne er auch mit den bestehenden Verträgen zwischen den USA und Dänemark auf der Insel so viele Truppen stationieren, wie er will – aber es sei eben etwas anderes, wenn einem eine Sache gehöre: „Eigentum ist psychologisch wichtig für den Erfolg“, sagte Trump – was auch immer er unter Erfolg verstehen mag.  

Vielleicht ist es auch der Erfolg zuhause bei den eigenen Wählern: Trump wolle von seinen innenpolitischen Problemen ablenken, sagte uns der deutsche Politikwissenschaftler Stefan Bierling in einem Interview. Zumindest bei einem Teil seiner Maga-Hardcore-Anhänger, deren Stimmung wegen anhaltend hoher Preise und Inflation leicht angeknackst ist, wird sich der Präsident dafür feiern lassen können, sollte er die USA demnächst um Grönland erweitern.  

Europa kann Trump nicht aufhalten

Das alte „Wag the dog“-Motiv mag Trumps Verhalten erklären, wirklich helfen wird diese Erkenntnis Europa aber nicht. Wenn Trump Grönland warum auch immer will, werden ihn weder Dänen noch wir Europäer ihn aufhalten. Umgekehrt wird sogar ein Argument für Trump daraus: Er könnte nach Grönland greifen – und wir Europäer müssten erkennen: Das Militärbündnis Nato – einer für alle, alle für einen – gibt es nicht mehr. Vor einem Jahr fürchteten wir in Europa, Trump könnte die Nato einfach sprengen. Dass er darüber einige Monate nicht mehr redete, hat viele hier zunächst beruhigt. Doch jetzt zeigt sich: Er kann sich auch einfach Grönland greifen – die Nato erledigt sich dann von allein. Sein früherer Sicherheitsberater John Bolton nannte das diese Woche ein „two for one“, zwei Fliegen mit einer Klappe. Was will man mehr!   

Die spannende Frage für uns in Deutschland und Europa lautet nun: Was folgt daraus?  

Im Grunde das, was schon seit mehr als einem Jahr gilt: In einer Welt, in der nur noch das Recht des Stärkeren gilt, müssen Deutschland und Europa dringend aufrüsten. Und das nicht nur militärisch (das auch), sondern auch infrastrukturell. Dass in der Nacht, in der die USA mal eben einen Diktator stürzen und festnehmen, in einem großen Teil der deutschen Hauptstadt der Strom ausfallen kann und es fünf Tage dauert, bis er überall wieder läuft, hat natürlich nichts miteinander zu tun. Und doch war der Stromausfall ein Menetekel: Dort die schiere Übermacht, hier die bloße Ohnmacht, in der es auch keinen Abbruch tut, wenn der zuständige Bürgermeister sich mal für eine Stunde zum Tennisspielen verabschiedet. Neben allen Defiziten in der technischen Ausstattung, egal ob bei der Bundeswehr oder beim Zivilschutz, ist es doch diese mangelnde Ernsthaftigkeit, mit der sich Deutsche und Europäer immer wieder selbst zum Gespött machen.  

Etwas Drittes gehört dazu: mehr Ehrlichkeit uns selbst gegenüber. Glauben wir wirklich, dass wir uns auf den Schutz der USA vor Russland verlassen können – auch zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine –, wenn dieselben USA Grönland notfalls militärisch annektieren wollen, sollte sich Dänemark nicht gefügig zeigen? Es braucht schon eine gewisse schizophrene Neigung, um diese beiden Optionen miteinander gedanklich in Einklang zu bringen.  

Das Jahr ist noch jung, es kann noch besser werden. Zumindest können unsere Antworten auf die Herausforderungen dieses Jahres noch besser werden. Das bleibt zu hoffen. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Alltag, Glück und Gesundheit für die kommenden Monate – und bleiben Sie uns gewogen. Wir freuen uns, Sie auch durch das neue Jahr begleiten zu dürfen.

09.01.2026 14:30

Die Deutschen gelten als Bargeldfans, doch auch sie zahlen immer häufiger digital. Mastercard-Deutschlandchef Peter Robejsek über harte Konkurrenz, deutsche Skepsis und Cybersicherheit

Capital: Mastercard hat es beim bargeldlosen Zahlen mit einer deutlich höheren Konkurrenz zu tun als noch vor zehn Jahren. Wird da nicht der Kuchen kleiner?
PETER ROBEJSEK:Das Geschäft wird spannender, und der Kuchen wird an sich größer. Wenn es ums digitale Bezahlen geht, hat sich das Verhalten der Menschen entscheidend geändert. Noch vor zehn Jahren hätte man in Deutschland 80 Prozent der Umsätze im Einzelhandel mit Bargeld gesehen. Heutzutage sind es vielleicht noch 35, und der Rest ist irgendwie digital. Davon hat in Deutschland den Großteil die deutsche Girocard als unangefochtener Platzhirsch. Aber auch wir spielen da eine Rolle.

Hinkt Deutschland beim bargeldlosen Zahlen im Vergleich zu anderen Ländern nicht noch hinterher?
Da bin ich mir gar nicht so sicher. Wir haben sicherlich eine gewisse Vorsicht in unserer Mentalität, und das ja auch gar nicht so schlecht. Aber ich kann nicht erkennen, dass wir hintendran sind, was die Auswahlmöglichkeiten an digitalen Bezahlmöglichkeiten angeht.

Es gibt in Europa Versuche, sich aus der Abhängigkeit von Technologien aus den USA zu lösen. Sie sind Vertreter eines US-Unternehmens. Was bedeutet das für Sie?
Wir sind ein globaler Konzern, und nur deshalb funktioniert unser Geschäftsmodell. 25 Prozent unserer Belegschaft sind in Europa beschäftigt, und wir haben tiefe Wurzeln hier. Aber es stimmt, es gibt eine Menge Bemühungen in Europa, etwas eigenes aufzubauen, nicht zum ersten Mal. Da gibt es aus meiner Sicht zwei Ansätze. Man kann die Industrie einfach machen lassen. Oder man kann es versuchen, politisch zu erzwingen. Ich bin als überzeugter Marktwirtschaftler immer Freund der ersten Lösung. Und da gibt es ja mit der Wero Wallet einen Vorstoß. Das nehmen wir sehr ernst. Aber das wird Zeit brauchen.

Ein de facto staatliches Projekt ist der digitale Euro. Wir wissen noch nicht, wann und wie er kommt. Aber dann gäbe es ja eine digitale Alternative zu dem, was bisher das Bargeld war. Inwieweit träfe das Ihr Unternehmen?
Das würde uns ganz sicher betreffen, wie jedes alternative Angebot. Das werden wir uns daher sehr genau ansehen, auch wenn wir noch sehen müssen, wie schnell so etwas kommen kann. Aber hier stellt sich noch mehr als bei privatwirtschaftlichen Initiativen die Frage: Warum? Welchen Zusatznutzen bringt das, außer dass etwas Lokales gebaut wurde? Es sind ja immer Investitionen erforderlich, und die liegen unbestritten in Milliardenhöhe.

Hören Sie in der neuen Folge von „Capital – der Wirtschaftspodcast“

  • Wie schnell sich das Zahlen per Mobiltelefon durchsetzt
  • Warum Mastercard in Cybersicherheit investiert
  • Welche Rolle das wachsende Misstrauen gegenüber den USA für das Unternehmen spielt

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09.01.2026 12:34

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach Verhandlungsbeginn scheint das Freihandelsabkommen Mercosur zwischen der EU und südamerikanischen Staaten unter Dach und Fach zu sein. Die Industrie atmet auf, doch Bauern sind besorgt

Der Weg für den Abschluss des EU-Freihandelsabkommens mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ist frei. Bei einer Sitzung von Vertretern der 27 EU-Länder stimmten in Brüssel ausreichend viele Teilnehmer der geplanten Unterzeichnung des Deals zu, wie die Deutsche Presse-Agentur von Diplomaten erfuhr. 

Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern wird nach Angaben der EU-Kommission die weltweit größte dieser Art sein. Ermöglicht wurde die Einigung auf das umstrittene Abkommen durch weitere Zugeständnisse an die Agrarlobby. Diese sieht die Konkurrenz aus den Mercosur-Staaten als Existenzbedrohung für die europäische Landwirtschaft. In Südamerika können etwa Agrarprodukte wie Rindfleisch günstiger produziert werden als in Europa.

Das Abkommen hatte eigentlich bereits kurz vor Weihnachten in Brasilien unterzeichnet werden sollen. Die notwendige Mehrheit im Rat der EU-Mitgliedstaaten kam damals allerdings noch nicht zustande, weil Italien seine Zustimmung an weitere Unterstützungszusagen an europäische Landwirte knüpfte. Das Ja von Italien war notwendig, weil mit Frankreich und Polen zwei andere große EU-Staaten das Abkommen in der derzeitigen Form ablehnen.

Deutsche Wirtschaft froh über Mercosur-Einigung

Die deutsche Wirtschaft reagiert erleichtert auf die Einigung. „Die Verabschiedung von Mercosur ist ein wichtiger Erfolg für die deutsche und europäische Wirtschaft“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner. „Die Europäische Union zeigt Handlungsfähigkeit und sendet ein starkes Signal für den Freihandel.“ Das Abkommen beweise, dass die EU ein relevanter geostrategischer Akteur sein könne.

Ähnlich äußerte sich der Verband der Chemischen Industrie (VCI). „Das ist ein guter Tag für Europa. Der Europäische Rat macht den Weg frei und weckt neue Hoffnung für die europäische Industrie“, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. „Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen sendet die EU damit in schwierigen Zeiten ein starkes Signal: Europa will mitgestalten – und nicht nur zuschauen.“

Zeichen an Donald Trump

Die neue Freihandelszone soll auch ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump setzen. Geplant ist, Zölle und Handelsbarrieren zwischen der EU und den Mercosur-Staaten weitestgehend abzubauen. Die deutsche Industrie dringt bereits seit Jahren auf den Abschluss des Abkommens.

Die EU-Kommission schätzt, dass das Abkommen die jährlichen EU-Exporte nach Südamerika um bis zu 39 Prozent (49 Mrd. Euro) steigern kann – und damit mehr als 440.000 Arbeitsplätze in ganz Europa unterstützt. Besonders große Chancen werden für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-Länder wird beispielsweise derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fällig.

Verhandlungen dauerten ein Vierteljahrhundert

Die Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen waren bereits 1999 gestartet worden. Die EU-Kommission hatte sie dann im Dezember 2024 trotz anhaltender Kritik aus Ländern wie Frankreich abgeschlossen. Zuletzt brachte der Zollstreit der EU mit den USA noch einmal neue Dynamik in den Prozess. Viele Länder wollen jetzt zeigen, dass die Zeiten des fairen Handels nicht vorbei sind – zu ihnen gehört insbesondere auch Deutschland.

Kritiker des Abkommens befürchten hingegen, dass europäische Landwirte in einen gnadenlosen Preiskampf gezwungen werden könnten und die Regenwaldzerstörung in Südamerika befeuert wird. Zudem wird behauptet, dass die strengen Standards der EU für Lebensmittelsicherheit und Tier- und Pflanzenschutz ausgehöhlt werden könnten. 

Die EU-Kommission weist dies entschieden zurück und betont, dass weiter nur Produkte, die den umfangreichen europäischen Vorschriften entsprechen, in die EU eingeführt werden dürften. 

Sicherheitsnetz für Bauern

Um den anhaltenden Protesten von Bauern gegen die geplante Freihandelszone den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte die Europäische Kommission jüngst noch einmal zusätzliche wirtschaftliche Sicherheitsklauseln ausgearbeitet. Im Fall eines schädlichen Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen Preisverfalls für die EU-Erzeuger sollen damit rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden können. Diese würden dazu führen, dass Zollvorteile vorübergehend wieder ausgesetzt werden.

Eine besonders intensive Überwachung ist bei der Einfuhr von Produkten wie Rindfleisch, Geflügel, Reis, Honig, Eier, Knoblauch, Ethanol, Zitrusfrüchte und Zucker vorgesehen. Mindestens alle sechs Monate soll es auch einen Bericht zu den Auswirkungen von Importen aus den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay geben.

Zum Mercosur-Bund gehört mittlerweile auch Bolivien. Das Land muss aber erst noch Regeln anpassen, bevor es von dem Freihandelsabkommen profitieren kann.

Unterzeichnet werden soll das Abkommen nun in Paraguay, das derzeit die rotierende Präsidentschaft der Staatenbundes Mercosur innehat. Aus der EU wollen dafür EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa in das südamerikanische Land reisen.

Nach der Einigung an diesem Freitag braucht es noch einen schriftlichen Beschluss für die Unterzeichnung und den Abschluss des Abkommens. Dieses gilt allerdings als Formsache.

09.01.2026 12:15

Kupfer ist ein Schlüssel für die Energiewende. Eine mögliche Fusion zwischen Glencore und Rio Tinto könnte jetzt den weltgrößten Kupferkonzern schmieden

Die Bergbaukonzerne Glencore und Rio Tinto loten eine Fusion zum weltgrößten Rohstoffkonzern mit einem Börsenwert von rund 207 Mrd. Dollar aus. Getrieben werden die Pläne auch von der weltweit anziehenden Nachfrage nach Kupfer. Geprüft werde eine Übernahme von Glencore durch Rio Tinto im Zuge eines Aktientauschs, teilten die beiden Unternehmen in der Nacht zum Freitag mit. Durch eine Fusion würde der bisherige Branchenprimus, der australische Konkurrent BHP, überholt. Es sei jedoch noch nicht ausgemacht, ob es zu einer Einigung kommen werde. Ein erster Anlauf für einen Zusammenschluss der beiden Bergbau-Riesen vor rund einem Jahr war gescheitert. Doch auch aktuell erscheint eine Fusion schwierig: Mögliche Probleme sind kartellrechtliche Untersuchungen, Preisfragen, kulturelle Unterschiede der Konzerne sowie die Kohleförderung durch Glencore.

Einem Insider zufolge wurden die neuen Gespräche der beiden Rohstoff-Riesen Ende vergangenen Jahres wieder aufgenommen. Seit dem gescheiterten Versuch einer Fusion hat sich bei Rio Tinto einiges geändert. Unter dem neuen Vorstandschef Simon Trott, der im August sein Amt antrat, will sich der Konzern schlanker aufstellen und sich von Vermögenswerten trennen, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Trott gilt im Vergleich zu seinem Vorgänger Jakob Stausholm als offener gegenüber großen Deals. Beide Unternehmen richten ihren Fokus zudem zunehmend auf Kupfer.

Konsolidierungswelle im Kupfer-Rausch

Das Metall ist für die Energiewende und den wachsenden Bedarf an Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) von entscheidender Bedeutung. Die weltweite Kupfernachfrage wird nach Schätzungen von S&P Global bis 2040 um 50 Prozent steigen, während das Angebot um mehr als zehn Millionen Tonnen jährlich zurückbleiben dürfte. Die Branche befindet sich in einer Konsolidierungswelle. So steht etwa der Zusammenschluss von Anglo American und Teck Resources bevor, durch den ein auf Kupfer ausgerichteter Branchenriese entsteht. Branchenprimus BHP hatte seinerseits vergeblich versucht, Anglo American mit Blick auf die Kupfer-Aktivitäten in Südamerika zu übernehmen.

Rio Tinto ist der weltgrößte Eisenerzförderer und kommt auf eine Marktkapitalisierung von 142 Mrd. Dollar. Glencore wird mit 65 Mrd. Dollar bewertet. Der Unternehmenswert, der auch die Schulden berücksichtigt, würde bei mehr als 260 Mrd. Dollar liegen. Gemäß den britischen Übernahmeregeln hat Rio Tinto bis zum 5. Februar Zeit, ein formelles Angebot für Glencore abzugeben oder zu erklären, dass es den Vorstoß nicht fortsetzen wird.

An der Börse stieß der Vorstoß auf ein geteiltes Echo. Während die in den USA notierten Aktien von Glencore um sechs Prozent zulegten, schlossen die Titel von Rio Tinto in Australien 6,3 Prozent im Minus. „Der Aktienmarkt sagt einem, was man wissen will. Die Anleger sind damit nicht glücklich“, sagte Hugh Dive, Investmentchef beim Rio-Tinto-Aktionär Atlas Funds Management. Große Fusionen könnten sich im Laufe der Zeit auch als wertmindernd erweisen. Aber Bedenken gibt es auch an anderer Stelle.

Poker um die Kohle

Als eine der größten Hürden für einen Zusammenschluss gelten die Kohlegeschäfte von Glencore. Rio Tinto hatte seine letzten Kohleminen 2018 ausgerechnet an Glencore verkauft. „Die Kohle müsste veräußert werden, um die Unterstützung der australischen Aktionärsbasis zu gewinnen“, sagte John Ayoub, Portfoliomanager beim Rio-Investor Wilson Asset Management. Zudem verwiesen Analysten auf mögliche kartellrechtliche Bedenken. Investoren äußerten zudem die Sorge, Rio Tinto könne zu viel für den Wettbewerber zahlen. „Es kommt auf den Preis an, aber wenn sie eine hohe Prämie zahlen müssen, besteht das Risiko, dass eine Transaktion den Wert für die Aktionäre vernichtet“, sagte Tim Hillier, Analyst beim Rio-Aktionär Allan Gray. Rio Tinto verfüge über eine starke Pipeline an eigenen wachstumsstarken Projekten. Es sei nicht klar, warum das Unternehmen sich extern nach Wachstumsmöglichkeiten umsehen müsse.

Einige Investoren sehen jedoch auch Chancen an anderer Stelle. „Die größte Frage wäre die Kultur der beiden Unternehmen, da Glencore (..) sehr ergebnisorientiert ist“, sagte Andy Forster, Investmentchef bei Argo Investments. Das könne für Rio Tinto sogar gut sein.

09.01.2026 11:00

Anfang des Jahres fragen sich viele Anleger, ob sie ihre Geldanlage neu sortieren müssen. Warum das für viele gar nicht notwendig ist und wer tatsächlich etwas tun sollte

Der einzige Automatismus, den die Kapitalmärkte kennen, ist dieser: Es gibt so etwas wie den Januar-Effekt. Zu Beginn jedes Jahres fragen sich viele Anleger, ob sie ihr Depot großzügig aufräumen müssen. Erst recht, wenn auch noch politische Unruhe herrscht – so wie jetzt aktuell. Nach Donald Trumps Angriff auf Venezuela ist die Unsicherheit wieder enorm gestiegen. Müssen Anleger ihre Geldanlage zu Beginn des Jahres also schnell krisenfest machen?

Zunächst einmal gilt: keine Panik. Wenn Sie Ihr Geld vorher schon so investiert haben, wie es gute Vermögensverwalter und Finanzberater empfehlen, brauchen Sie in dieser Lage nichts daran ändern. Dann haben Sie Ihr Geld möglichst breit über mehrere Anlageklassen verteilt und setzen auf viele Regionen der Welt und Branchen. Außerdem passt ihre Aufteilung im Depot jetzt schon zum eigenen Risikoempfinden. Denn das ist das eigentlich Wichtige bei der Geldanlage: Man muss sich mit dem gewählten Mix wohlfühlen.

Klingt merkwürdig, erklärt sich aber so: Wer sich wirklich wohlfühlt mit der Aktienquote, die er im Depot hat – seien es nun 20, 60 oder über 80 Prozent Aktien – der kann getrost an dieser Quote festhalten. Auch wenn die Zeiten unruhiger werden, und gerade dann. Denn man entscheidet sich für eine hohe Aktienquote, weil man sich einerseits eine höhere Renditechance erhofft, andererseits auch bereit ist, das höhere Risiko zu tragen.

Aktien lohnen sich auf Dauer immer

Statistiken zeigen: Es gab immer wieder schlechte Jahre und große Kursstürze bei Aktien. Doch ab einer Haltedauer von 15 Jahren fiel das Anlageergebnis mit breit gestreuten Indizes wie dem MSCI World bisher immer positiv aus. Das galt in den letzten 50 Jahren. Und auch über 125 Jahre fuhr keine andere Anlageklasse so gute Renditen ein wie Aktien. Im Langfristschnitt schafften sie rund 9 Prozent jährlich. Um auf derartige Erträge zu kommen, muss man im Grunde nur eines tun: lange genug an einem möglichst breiten Aktienmix festhalten.

Trotzdem ist es ratsam, nicht zu 100 Prozent auf Aktien zu setzen und grundsätzlich noch ein paar sehr sichere Bestandteile im Portfolio zu haben. Also Geldanlagen, die zwar üblicherweise etwas weniger Rendite abwerfen als Aktien, aber das Gesamtvermögen (auch wenn es nur ein kleines Vermögen ist) erheblich stabiler halten, wenn die Aktienkurse mal flattern. Dazu eignen sich entweder Anleihen, die gibt es von Staaten und Unternehmen, und sie garantieren ihrem Besitzer über die gesamte Laufzeit feste Zinsen jedes Jahr. Man kann sie auch als Anleihen-ETF ins Depot legen, etwa den Index Euro Aggregate Bond. Hier darf man sich aber nicht von der schlechteren Kursentwicklung abschrecken lassen, denn sie lohnen sich über die jährlichen Zinsausschüttungen. Bei guten Anleihen rechnet man mit etwa 4 Prozent jährlicher Rendite auf lange Sicht.

Man kann auch klassische Rentenversicherungen zum Anleiheteil des eigenen Portfolios zählen, denn Versicherer stecken das Kundenkapital zu rund 80 Prozent in Anleihen. Rechnen Sie also einmal zusammen, wie hoch ihre garantierten Auszahlungen aus Lebens- und Rentenpolicen sein werden und setzen Sie es ins Verhältnis zu dem Geld, was Sie in Aktien angelegt haben. Alternativ kann man sein Geld sicher auf einem Festgeldkonto bei einer heimischen oder europäischen Bank bunkern. Das bringt momentan rund zwei Prozent Zinsen.

Geldanlage mit Gold?

Viele greifen in diesen Krisenmomenten auch zu Gold, denn man nimmt an, dass es krisenfest ist. Und vielleicht stimmt das sogar, und es taugt tatsächlich im größten Chaos noch als Zahlungsmittel. Sofern man es in entsprechender Stückelung zur Hand hat. Vielleicht tauschen wir im ultimativen Krisenfall aber auch lieber wieder Zigaretten oder Lebensmittel. Gold kann als Beimischung im Gesamtanlagenmix und zur Stabilisierung des Depots dienen, aber hundertprozentige Sicherheit bietet auch der Barren- und Münzenbesitz nicht. Sicher ist nur: Deutsche kaufen Gold immer am liebsten dann, wenn der Preis extrem hoch ist und für Schlagzeilen sorgt – der schlechtestmögliche Zeitpunkt. Denn der Preis kann jederzeit wieder fallen, dann hat man sich sehr teuer eingedeckt.

Doch zurück zur Frage: Muss ich mich von Aktien trennen? Wer hauptsächlich in Welt-Indexfonds anlegt, der sollte unbedingt die Nerven bewahren und sie behalten. Auch wenn der Amerika-Anteil darin mit 70 Prozent sehr hoch ist. Es kann sich lohnen, zusätzlich europäische ETFs zu kaufen, oder ETFs mit asiatischen und Schwellenländern, oder mit kleineren Unternehmen, also Small Caps. So stellt man sein Depot noch breiter auf. 

Ganz grundsätzlich aber gilt: Die Wertentwicklung eines Portfolios, also Ihres Gesamtvermögens, hängt sehr viel stärker davon ab, welchen Gesamtmix aus Aktien und Anleihen Sie gewählt haben, als davon, auf welche einzelnen ETFs und Papiere Sie dabei setzen. Wer möglichst viel Rendite mitnehmen will, aber nicht die volle Schwankungsstärke eines Aktiendepots ertragen möchte, dem empfiehlt die Finanzmarktforschung eine Mischung aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen. 

Und daran kann man im Grunde ein Leben lang festhalten, egal, was im Rest der Welt passiert.

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09.01.2026 09:45
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09.01.2026 08:12

Auf der CES 2026 zeigen humanoide Roboter, was im Einzelhandel möglich ist. Die Roboter können dort völlig autonom arbeiten und Kunden geben ihre Bestellung auf einem iPad auf

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09.01.2026 07:30
Wer eine betriebliche Altersvorsorge hat, steht zum Rentenbeginn vor der Frage: Die Betriebsrente als Einmalzahlung oder lebenslange Monatsrente nehmen? Rein rechnerisch ist die Antwort klar
08.01.2026 18:30

Der starke Schneefall sorgt an europäischen Flughäfen für Chaos. Immerhin ein Problem soll sich an deutschen Flughäfen aber nicht wiederholen

Immerhin hatten sie Feldbetten aufgestellt: Mehr als 1000 Menschen sollen die vergangene Nacht am Flughafen in Amsterdam verbracht haben. Über 700 Flüge waren allein in der niederländischen Metropole gestrichen worden, auch in Paris fielen 140 Flüge aus. Am Hamburger Airport waren in den vergangenen Tagen mehrere Flüge entfallen. Das Winterwetter sorgt für Chaos im europäischen Flugverkehr – und verlangt von den Passagieren starke Nerven.

Zumindest bis zum Wochenende dürfte es auch so weitergehen. Der Deutsche Wetterdienst warnt für Freitag in Berlin und Brandenburg vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen. Die Starts am Hamburger Flughafen waren laut der Homepage „Flightaware“ am Donnerstagnachmittag im Schnitt 52 Minuten verspätet – Tendenz steigend. 

Dort und an den anderen Flughäfen im Norden und Osten Deutschlands bedeutet das Wetter einen organisatorischen Kraftakt. „Die Flughafengesellschaft und ihre Partner haben sich in den letzten Tagen intensiv auf die für Nord- und Osteuropa angekündigte massive Schneewelle vorbereitet“, schreibt etwa die Betreibergesellschaft des Flughafens Berlin-Brandenburg in einem Statement. „Wir rechnen damit, dass es bei dem für weite Teile Europas angekündigten massivem Schneefall ab Freitag zu starken Verzögerungen in den Abläufen kommt. Von dem massiven Wintereinbruch sind mehrere Flughäfen betroffen, Abflüge verzögern sich, Flugpläne geraten durcheinander, es kann zu starken Verspätungen und auch zu Flugstreichungen durch die Airlines kommen.“

Flugzeuge müssen teils 45 Minuten wegen Enteisung warten

Rollfelder und vor allem Start- und Landebahnen müssen bei Schneefall fortlaufend geräumt und enteist werden. Meist müssen die Räumfahrzeuge schon bei weniger als einem Zentimeter Schneedecke ausrücken. Hinzu kommt, dass alle Flugzeuge vor dem Start enteist werden müssen – und das könne bis zu 45 Minuten dauern, teilte eine Sprecherin des Hamburger Flughafens dem „Norddeutschen Rundfunk“ mit. 

Immerhin: Dort scheint es keinen Engpass zu geben. In Amsterdam teilte KLM, die niederländische Tochter des Air France-Konzerns, mit, die Vorräte für das Enteisungsmittel würden zur Neige gehen. Der Grund seien neben dem Wetter auch Schwierigkeiten beim deutschen Lieferanten. 

In Hamburg und anderen deutschen Flughafen sollen die Enteisungsspeicher gut gefüllt sein. Das teilten mehrere betroffene Airports auf Capital-Anfrage mit. „Zum jetzigen Stand sind ausreichend Enteisungsmittel vorhanden“, schreibt etwa eine Sprecherin des Flughafens Hannover-Langenhagen.

365 Hektar Fläche müssen am Berliner Flughafen geräumt werden

In Berlin übernimmt der Dienstleistungsunternehmen „Wisag“ die Aufgabe, Flugzeuge zu enteisen. Dafür seien die Tanklager noch einmal auf Maximum befüllt worden, heißt es in einem Statement. 18 Enteisungsfahrzeuge stünden zur Verfügung, insgesamt müssten sich die Mitarbeiter am Hauptstadtflughafen um die Räumung von 365 Hektar Fläche kümmern. Auch der größte deutsche Flughafen in Frankfurt am Main erwartet keinen Engpass – man habe vier stationäre Enteisungsanlagen in Betrieb, außerdem 25 Enteisungsfahrzeuge.

Trotzdem: „Bei extremen Wetterlagen lassen sich Einschränkungen im Flugverkehr nicht immer gänzlich ausschließen“, heißt es vom Flughafen in Hannover. „Die Sicherheit der Passagiere hat immer oberste Priorität.“ Auch in den kommenden Tagen kann es zu langen Wartezeiten oder Flugausfällen kommen. 

Wer eine Flugreise gebucht hat, sollte sich deshalb informiert halten – und früh kommen. „Wir bitten unsere Passagiere, sich drei Stunden vor Abflug im Terminal einzufinden und vor Anreise ihren Flugstatus zu überprüfen“, schreibt eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens auf Anfrage. Auch andere Flughäfen empfehlen dringend, den Flugstatus im Auge zu behalten. Dann wird es vielleicht auch etwas mit dem Flug in den sonnigen Süden.

08.01.2026 17:12

Der Mode-Händler Zalando schließt sein Logistikzentrum in Erfurt. Gewerkschafter werfen der Chefetage ein perfides Vorgehen vor

Der deutsche Mode-Versandhändler Zalando schließt Ende September sein Logistikzentrum in Erfurt mit 2700 Beschäftigten. Das teilte der Dax-Konzern mit Hauptsitz in Berlin mit. Aktuell würden die Beschäftigten über die Pläne informiert. 

Grund ist nach Unternehmensangaben eine Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Online-Modehändlers About You im vergangenen Jahr. Die Erfurter Betreibergesellschaft des Standorts und Konzerntochter stelle demnach zum Jahresende den Betrieb ein. Bis zum Schluss für das Logistikzentrum Ende September laufe die Arbeit unverändert weiter. 

Das Unternehmen beginne nun Gespräche mit dem Betriebsrat des Standorts über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, um den Betroffenen eine Perspektive zu geben, so Pressesprecher Christian Schmidt. 

Zalando-Co-Chef David Schröter signalisierte den Beschäftigten finanzielle Unterstützung. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kündigte er an, der Konzern habe sich auf einen signifikanten Beitrag eingestellt. Ziel sei es, dass möglichst viele Mitarbeiter einen neuen Job finden – beispielsweise am Zalando-Standort in Gießen im benachbarten Hessen, der sich noch im Aufbau befinde. 

Politiker zu Zalando: „Vertrauen nachhaltig beschädigt“

Die Landespolitik reagierte auf die Ankündigung mit Kritik. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sagte: „Beschäftigten Sicherheit zuzusagen, Leistung zu fordern, ihnen Verlässlichkeit zu signalisieren und anschließend Standorte zu schließen, beschädigt Vertrauen nachhaltig.“ Sein Amtsvorgänger Bodo Ramelow (Linke) sprach von einer kalten Abwicklung des Standorts mit nicht viel mehr als dem gesetzlich vorgeschriebenen Sozialplan.

Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) monierte, dass das Land vorher nicht in die Schließungspläne von Zalando einbezogen worden sei. „Dass wir hier vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind, ist absolut unüblich und ganz sicher kein guter Stil.“

Aus der Erfurter Stadtverwaltung hieß es, Zalando sei der größte privatwirtschaftliche Arbeitgeber der Stadt. „Ich bedauere diese Entscheidung zutiefst, vor allem, weil wir keine Chance hatten, sie zu beeinflussen», sagte Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). „Das ist nicht nur eine traurige Nachricht für Erfurt und Thüringen, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland.“ Ein Krisengespräch mit der Landesregierung sei für Freitag geplant.

Gewerkschafter: „War sicher schon vor Weihnachten bekannt“

Die Gewerkschaft Verdi spricht von einem perfiden Vorgehen. Im Dezember hatte Verdi an den Standorten Erfurt und Mönchengladbach zum Streik aufgerufen. Bis heute habe es keinerlei Signal gegeben, dass eine Schließung des Erfurter Standorts überhaupt im Raum stehe, sagte Matthias Adorf, Verdi-Gewerkschaftssekretär Handel in Thüringen. 

„Das war sicherlich vor dem Weihnachtsgeschäft schon bekannt. Das haben die sich wahrscheinlich nicht in der Neujahrsnacht ausgedacht“, sagte Adorf. Aus Sicht des Gewerkschaftsvertreters hat der Konzern die Beschäftigten im Dunkeln gehalten, um das wichtige Weihnachtsgeschäft abzusichern. „Statt in den Erhalt der Infrastruktur zu investieren und mit Betriebsrat und Gewerkschaft über Möglichkeiten der Zukunftssicherung des Standortes zu sprechen, schafft Zalando Tatsachen“, kritisierte Adorf weiter.

Das Logistikzentrum Erfurt war 2012 eröffnet worden. Es ist der einzige konzerneigene Logistikstandort in dieser Größe in Ostdeutschland, so Schmidt. Weitere große Logistikzentren betreibt Zalando in Gießen, in Lahr im Schwarzwald und in Mönchengladbach. Insgesamt sollen nach dem geplanten Umbau 14 Logistikzentren in sieben Ländern verbleiben.

08.01.2026 16:50
Mit zwei gegensätzlichen Ankündigungen hat Donald Trump Rüstungsaktien auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Am Ende könnte sich der Aufreger für Anleger auszahlen
08.01.2026 16:45

Das aktuelle geopolitische Umfeld macht die Entscheidungen von Unternehmen komplexer denn je. Wer die häufigsten Fehler aus der Vergangenheit kennt, kann die Resilienz erhöhen, schreibt Anahita Thoms

Fehler 1: Reagieren statt agieren

Unternehmen ignorieren geopolitische Trendlinien und handeln erst, wenn die Krise da ist. Zu oft wurden Unternehmen zuletzt von geopolitischen Ereignissen überrascht und mussten überstürzt Notfallmaßnahmen ergreifen. Obwohl für die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump Zollerhöhungen erwartet worden waren, erschütterte seine im April 2025 verkündete Hochzollpolitik die Märkte und zerstörte Kalkulationsgrundlagen vieler Global Player. Die wachsende Ablehnung des Freihandels, die Problematisierung des Handelsbilanzdefizits und der Ruf nach Reindustrialisierung hätten früher alarmieren müssen. 

Innenpolitische Entwicklungen in den USA haben schon oft die Weltwirtschaft getrieben. Eine interdisziplinäre Besetzung von Vorständen und Aufsichtsräten mit geopolitischer Expertise und der Rückgriff auf externe Berater schärfen den Blick für solche Risiken. Regelmäßig müssen unterschiedliche, auch weniger wahrscheinliche Bedrohungsszenarien und ihre Folgen für alle Unternehmensbereiche durchgespielt werden. Konsequenzen zweiter Ordnung gehören in die Strategieplanung. Fatal wäre es etwa zu übersehen, dass ein Handelsstreit zwischen den USA und China nicht nur China als Produktionsstandort betrifft, sondern auch chinesische Produkte auf den europäischen Markt umlenkt und Preisdruck erzeugt. Eingepreist werden muss auch das wachsende handelspolitische Waffenarsenal, das zuletzt um sekundäre Zölle erweitert wurde.

Fehler 2: Riskante Abhängigkeiten

Zu starke Bindung an Rohstoffe und Vorprodukte aus geopolitisch volatilen Regionen macht Lieferketten anfällig. Unternehmen, die es versäumen, ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten für Rohstoffe und Vorprodukte zu verringern, riskieren kostspielige Lieferketten- und Produktionsunterbrechungen. Wie anfällig global vernetzte Wertschöpfungsketten sind, zeigte schon die Covid-19-Pandemie: Lieferengpässe bei chinesischen Chips legten die Bänder deutscher Automobilhersteller lahm. Die anhaltende Fragilität der Halbleiter-Lieferketten zeigte sich auch vergangenen Herbst, als die niederländische Regierung die Kontrolle über einen Chiphersteller von seiner chinesischen Mutter übernahm, China mit Exportbeschränkungen reagierte und Produktionsausfälle in der Automobilbranche drohten. 

Auch in Rohstofflieferketten können Staaten ihre Marktmacht als Druckmittel einsetzen. So bergen die Ausfuhrkontrollen und Genehmigungsverfahren, die China im April 2025 für Metalle der Seltenen Erden einführte, das Potenzial für Beschaffungsschwierigkeiten. Einst innovative Just-in-time-Produktionsweisen lassen sich teilweise nicht mehr aufrechterhalten. Unternehmen sind mehr denn je dazu angehalten, sich um die Vorratshaltung wichtiger Komponenten zu bemühen und Beschaffungsstrategien mit mehreren alternativen Bezugsquellen zu wählen. 

Fehler 3: Scheu vor Diversifizierung

Mangelnde Offenheit für neue Produktionsstandorte oder Absatzmärkte verhindert strategische Resilienz.Das hochvolatile weltwirtschaftliche Umfeld erschwert es Unternehmen, sich zu kapitalintensiven Investitionen in neue Standorte durchzuringen – selbst bei günstigeren Produktionskosten und Zollsätzen. Nicht ohne Grund: Unternehmen, die etwa in Reaktion auf den US-China-Handelskonflikt in Präsident Trumps erster Amtszeit auf andere südostasiatische Produktionsstandorte mit niedrigen Lohnkosten auswichen, wurden in seiner zweiten Amtszeit erneut getroffen, als auch Länder wie Vietnam wegen ihres Handelsbilanzüberschusses mit hohen Zöllen belegt wurden. 

Trotzdem kann der Aufbau neuer Standorte für Unternehmen sinnvoll sein, wenn sie identische Produktlinien in mehreren Ländern herstellen und so bei sich wandelnden Handelsbedingungen flexibel bleiben. Auf lange Sicht kann es sich durch Zollersparnisse mitunter sogar lohnen,  Produktionskapazitäten in den USA zu schaffen. Auch dass die EU weiterhin auf Freihandel und internationale Kooperation setzt, sollten Unternehmen als Chance begreifen. Besonders die neu ausgehandelten Freihandelsabkommen der EU eröffnen Absatzmärkte. Durch das im Januar anvisierte Abkommen mit den Mercosur-Staaten wird eine Freihandelszone für 780 Millionen Menschen geschaffen. 

Fehler 4: Fehlende Absicherung

Unzureichende Absicherungen gegen geopolitische Risiken erhöhen das Schadenspotenzial.Angesichts geopolitischer Krisen ist es fahrlässig, wenn Unternehmen auf ausreichende vertragliche Absicherungen verzichten. Lieferverträge sollten präzise regeln, wer steigende (Zoll-)Kosten trägt, und ob Preisanpassungen möglich sind. Eine Abweichung von Lieferbedingungen sollte bedacht werden, zum Beispiel wegen Verzögerungen durch blockierte Transportwege. Mithilfe sogenannter Force-Majeure-Klauseln können sich Unternehmen von Leistungspflichten befreien, wenn Hindernisse außerhalb der Gewalt der Vertragsparteien bestehen. Sie sind essenziell in Verträgen mit Unternehmen in Ländern mit erhöhtem Konflikt- oder Sanktionsrisiko. 

Investitions- und Exportkreditgarantien des Bundes sind weitere, nicht zu vernachlässigende Instrumente, mit denen Unternehmen das Schadenspotenzial ihrer Auslandsgeschäfte reduzieren können. Es ist auch ratsam, auf Folgendes zu achten: Mit dem Staat, in den investiert wird, sollte ein Investitionsschutzabkommen bestehen, da sich daraus etwa bei einer entschädigungslosen Enteignung Ansprüche ergeben können. 

Fehler 5: Unterschätzte Sanktions- und Exportkontrollpolitik

Wer die Reichweite der Restriktionen nicht ernst nimmt, riskiert hohe Strafen.Als Reaktion auf geopolitische Spannungen greifen Staaten zunehmend zu Wirtschaftssanktionen und Exportkontrollen, um politischen Druck auszuüben oder den Zugang zu sensiblen, militärisch relevanten Technologien zu beschränken. Selbst Unternehmen, die um die Einhaltung der Regeln bemüht sind, verkennen oft die Reichweite der Verbotsvorschriften und riskieren hohe Strafen. Sie sind sich oft nicht bewusst, dass beispielsweise bereits der Versand einer E-Mail mit Informationen über zivil und militärisch nutzbare Technologien in ein Nicht-EU-Land eine genehmigungspflichtige Ausfuhr darstellen kann. Erschwert wird die Compliance durch das dynamische Regelungsumfeld, das eine ständige Anpassung unternehmensinterner Prozesse erfordert. Die Russland-Sanktionen der EU, die seit Kriegsbeginn durch bisher 19 Sanktionspakete abgeändert wurden, veranschaulichen dies.

08.01.2026 16:27
Zu Donald Trumps Handelskrieg kommen eine ganze Menge anderer Umbrüche, die die Weltwirtschaft massiv umkrempeln – und nicht nur zum Vorteil der USA, sagt Pimco-Volkswirtin Tiffany Wilding
08.01.2026 15:55

Erst Ende 2024 holte Schaltschrank-Milliardär Friedhelm Loh den Ex-Berater Niko Mohr in die Führungsspitze seiner Unternehmensgruppe. Nun ist Mohr schon wieder weg

Als die milliardenschwere Mittelstandslegende Friedhelm Loh Ende 2024 den langjährigen McKinsey-Berater Niko Mohr in die Führungsspitze seiner hessischen Unternehmensgruppe holt, sah das schon sehr nach dem Beginn einer Nachfolgelösung aus – schließlich wird Loh in diesem Jahr 80. Doch offenbar hat diese Lösung nicht besonders lange gehalten.

Wie Mohr in dieser Woche auf dem Karriereportal Linkedin ankündigte, hat der Manager mit dem Jahreswechsel sowohl seinen Posten als Vorstandsmitglied der übergeordneten Friedhelm Loh Group als auch als CEO des Schaltschrankbauers Rittal schon wieder abgegeben. Der Gruppenvorstand besteht ausweislich der Firmenwebsite nun wie zuvor nur noch aus CFO Ralph Lindackers sowie Loh selbst; bei Rittal, dem wichtigsten Tochterunternehmen, hat ebenfalls wieder der Familienunternehmer als CEO die Verantwortung für die Hardware- und Softwaresparte inne. Daneben ist seit Juli 2025 CSO Mario De Marco für den internationalen Vertrieb zuständig. Das Unternehmen selbst hat den Mohr-Abgang nicht kommuniziert; auf Capital-Anfrage äußerte es sich nicht.

Ex-Rittal-Chef: „Herausfordernde Reise“

Es sei eine „äußerst interessante und herausfordernde Reise“ gewesen, schrieb Mohr über seine Zeit in Hessen. Wenig verklausuliert äußerte er sich aber auch über die Hintergründe seines Abschieds: „Verantwortungsvolle Führung bedeutet auch, unterschiedliche Meinungen nicht zu eskalieren, sondern sie strukturiert zu klären.“ Sein Ausscheiden sei daher „das Ergebnis eines gemeinsamen, respektvollen und klärenden Austauschs innerhalb des Vorstands“.

Es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass ein willensstarker und selbstbewusster Mittelständler wie Loh Schwierigkeiten mit einer geordneten Nachfolge hat – vielen Selfmade-Unternehmern gelingt es am Ende ihrer Karriere nicht, loszulassen. Dabei hatte Loh eigentlich stets Wert darauf gelegt, für seine Firmengruppe, die um die 12.000 Mitarbeiter hat und 2024 3,1 Mrd. Euro umsetzte, eine möglichst geräuschlose und stabile Zukunftslösung zu finden: Übernehmen sollten weder seine eigenen Kinder noch externe Investoren, stattdessen wurde die Gruppe in eine Stiftung überführt, die nach Lohs Ableben die unternehmerische Verantwortung tragen sollte. Dem Stiftungsrat gehören prominente Namen wie der ehemalige Siemens-Vorstand Klaus Helmrich, Ex-Daimler-Truck-Chef Martin Daum, der langjährige IBM-Manager Martin Jetter und der Theologe Stephan Holthaus an.

Als der gläubige Christ Loh Capital 2024 zum Gespräch traf, machte er aber auch schon unmissverständlich klar, dass es ihm nicht an Tatendrang mangele: „In meiner Bibel steht nichts von Rente“, verkündete Loh. Und: „Es gibt einen Leitsatz bei mir, den kennen meine Mitarbeiter: Ich liebe die Zukunft.“