Capital Wirtschaftsnachrichten


10.06.2026 11:36
Rückenwind für Porsche: Während der Autobauer an seinem Comeback arbeitet, melden sich Analysten positiv zu Wort. Der Weg zurück zu alter Stärke bleibt steinig, doch die Turnaround-Fantasie lebt 
10.06.2026 10:12
Wenn am Donnerstag die Fußball-WM startet, treffen die weltweit besten Spieler aufeinander. Aber wer von ihnen hat den höchsten Marktwert?
10.06.2026 09:00
Die Koalition trifft sich mit Arbeitergebern und Gewerkschaften. Friedrich Merz will von den Sozialpartnern gemeinsame Reformvorschläge hören. Das ist kühl kalkuliert
10.06.2026 08:45
Mit einer Zinserhöhung wird die EZB ein Signal gegen die Inflation setzen. Was für Sparer verlockend klingt, ist allerdings nicht ohne Risiko
10.06.2026 08:00

Nur 29 von 16.200 Firmen treiben fast die Hälfte des deutschen Produktivitätswachstums. Eine Analyse zeigt, warum Mut wichtiger ist als Branche oder Größe

Gerade einmal 0,2 Prozent der deutschen Unternehmen sind für 47 Prozent des gesamten Produktivitätswachstums in Deutschland verantwortlich. Das ergibt eine Analyse der Beratung McKinsey aus 16.200 Unternehmen – ein Querschnitt, der für gut ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts steht. Nur 29 untersuchte Unternehmen zogen die Volkswirtschaft nach vorne. Der Rest sorgte allenfalls für Stillstand oder bremste sie sogar.

Welche 29 Unternehmen die Wachstumstreiber Deutschlands sind und aus welchen Branchen sie kommen, sagt McKinsey nicht. Nur so viel: Es sind Firmen, die mit Mut statt Zögern agieren. Unternehmen, die Transformationsprozesse mutiger angingen, schnitten systematisch besser ab. Das decke sich mit dem Befund, dass das alte deutsche Geschäftsmodell – günstige Energie einkaufen, Prozesse optimieren und teure Spezialprodukte ins Ausland verkaufen – am Ende sei. Wer nur noch das Bestehende optimiere, gehe mit dem Standort Deutschland unter, der auf Optimierung und nicht auf Wachstum setze.

Die gute Nachricht steckt gleichwohl in derselben Nachricht: Wenn nur so wenige Unternehmen die deutsche Produktivität tragen, ist das Potenzial umso größer. Und offenbar scheinen viele Unternehmenslenker das Problem erkannt zu haben. In einer Befragung von 80 CxOs großer und mittelgroßer Unternehmen im Frühjahr 2026 gaben 65 Prozent an, akuten Handlungsbedarf für fundamentale, disruptive Veränderungen zu sehen – sofort oder innerhalb der nächsten zwei Jahre. Doch ob aus der Erkenntnis auch die Konsequenz folgt, ist eine ganz andere Frage.

Probleme der Unternehmen

McKinsey sieht dabei vier zentrale Herausforderungen für die Firmen: 

  1. De-Globalisierung: Konkurrierende Blöcke, Zölle und Handelskriege machen Lieferketten instabiler
  2. Verschiebung der Leitmärkte: China wird vom Kunden zum ernsthaften Wettbewerber bei früheren deutschen Schlüsseltechnologien
  3. Kapital: Neue Wettbewerber entstehen innerhalb von Monaten, Bewertungen entkoppeln sich von klassischen Ertragskennzahlen. Dabei bleibt Kapital deutschen Mittelständlern strukturell verwehrt
  4. Künstliche Intelligenz: KI wird global betrachtet immer erwachsener, befindet sich aber in Deutschland noch zu häufig in Pilotprojekten

Dagegen setzt McKinsey ebenfalls vier Lösungen:

  1. Portfolio radikal neu ausrichten: Deutsche Unternehmen erzielen heute nur sechs Prozent ihres Umsatzes in neuen Wachstumsfeldern. Davon definiert McKinsey insgesamt 18 – von KI-Infrastruktur über Elektrifizierung bis Biotechnologie. Wer sich nicht von Geschäftsfeldern ohne strukturelle Zukunft trennt, verschwendet Ressourcen
  2. Innovationsgeschwindigkeit: Chinesische Automobilhersteller bringen neue Elektrofahrzeuge heute in 21 Monaten zur Marktreife – deutsche Hersteller brauchen dafür 48 Monate. Das liegt vor allem an steifen Organisationen und schlechter Digitalisierung.
  3. Skalierung mit neuen Partnern: Bis zu einem Drittel des globalen Handels – rund 14 Billionen US-Dollar – könnte sich in den nächsten zehn Jahren auf neue Routen verlagern. Größte Profiteure dürften China und Indien werden. Doch für Deutschland könnten gerade Länder wie Vietnam, Mexiko und die Türkei an Bedeutung gewinnen
  4. Künstliche Intelligenz: Das Problem ist auch eine Lösung. Das Wertschöpfungspotenzial durch KI wird für Deutschland bis 2030 auf 486 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die Ironie: Über 70 Prozent der deutschen Großunternehmen nutzen KI bereits, aber nur sechs Prozent schöpfen das Potenzial zu mehr als 50 Prozent aus. Rund 90 Prozent der Tests bleiben Tests, weil das Ergebnis nicht überzeugen konnte oder weil das Personal schlecht geschult war.

Deutsche nutzen KI zu wenig

Gerade beim Thema KI werden die McKinsey-Autoren bei der Präsentation am Dienstag deutlich: Jeder investiere irgendwie in KI, aber nur wenige sehen den Wert. Jeder habe Zugang zur Technologie, aber kaum jemand generiere einen Wettbewerbsvorteil daraus. Das liege vor allem an einer Kompetenzlücke. In den USA nutzen fast acht von zehn Beschäftigten KI regelmäßig bei der Arbeit – in Deutschland sind es vier von zehn. Gerade der menschliche Faktor könnte sich im globalen Rennen also zur deutschen Achillesferse entwickeln.

10.06.2026 07:00
135 Euro soll die SpaceX-Aktie beim Börsengang kosten. Das ist mehr, als die meisten Profi-Investoren bezahlt hätten. Aber Firmenchef Elon Musk setzt ohnehin auf Privatanleger
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Das Scheitern des Megaprojekts FCAS belastet das deutsch-französische Verhältnis. Auch andere große Rüstungsdeals könnten darunter leiden. Die deutsche Industrie hofft auf einen Neuanfang 
09.06.2026 17:30
Aktien rund um das Thema Raumfahrt zählen 2026 zu den Gewinnern an der Börse. Nach einem Rücksetzer lohnt sich jetzt ein genauer Blick auf ausgewählte Einzeltitel und Space-ETFs
09.06.2026 16:26
Betriebsrente – das klingt attraktiv: Steuer- und Abgabenersparnis plus Zuschuss vom Arbeitgeber. Doch hohe Kosten, Mini-Renditen und Jobwechsel können die betriebliche Altersvorsorge zum Minusgeschäft machen
09.06.2026 15:30
Millionen Wohnungen in Deutschland werden mit Gasthermen beheizt. In Zukunft sollen sie durch Wärmepumpen ersetzt werden. Dafür gibt es Lösungen – aber auch viele Herausforderungen. Das raten Experten
09.06.2026 14:25
Sie wollten schon immer mal wissen, was unsere Fußballstars beim Gewinn der WM verdienen? Vom VW Käfer bis zu Rekordsummen: ein Überblick über die Prämien der Spieler von 1954 bis heute 
09.06.2026 13:29
Die Uhr ist kein Muss mehr – und das ist die Herausforderung für die Branche. Audemars-Piguet-Chefin Ilaria Resta über neue Herausforderungen, alte Fehler und die Zukunft des Luxus
09.06.2026 12:27

In der Corona-Pandemie beschaffte Jens Spahns Gesundheitsministerium viel mehr Schutzmasken als nötig. Nun wird nochmals ein großer Teil davon vernichtet.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte zu Beginn der Coronapandemie unter der Leitung von Jens Spahn Schutzmasken in einem erheblichen Umfang und zu hohen Kosten bestellt. Ein großer Teil davon blieb ungenutzt und muss vernichtet werden. In einer aktuellen Ausschreibung des Bundes wird klar, wie viel dies den Steuerzahler kostet.

„Schutzmasken sowie (...) Schutzbrillen und Spritzen“ in einem Umfang von bis zu „2174 Tonnen“ sollen laut Ausschreibung entsorgt werden. 715.000 Euro will das Ministerium für die Entsorgung dieser Tranche bezahlen.

Damit erhöht sich der gesamte Aufwand, den der Steuerzahler für medizinische Gegenstände in der Coronapandemie tragen muss, abermals.

Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.

Jens Spahns Ministerium beschaffte knapp sechs Milliarden Masken

Von den insgesamt 5,8 Milliarden Masken, für die der Bund 5,9 Mrd. Euro bezahlte, wurden nach einem Bericht des „Spiegel“ nur 2,12 Milliarden verteilt. Weitere 1,2 Milliarden Masken waren wegen „minderwertiger Qualität“ ebenfalls nicht nutzbar, wie der „Münchner Merkur“ zusammenfasst.

Laut „Bild“-Zeitung müssten die gelagerten restlichen Masken jetzt „wegen des vom Hersteller genannten Verfallsdatums vernichtet werden“. Die Kosten dieser Lagerung „belaufen sich auf rund 47 Mio. Euro im Jahr“, fasst „Bild“ zusammen.

Die restlichen Masken, die weder verbrannt werden noch verteilt wurden – laut „Spiegel“ etwa 360 Millionen Stück – seien „Masken, die Gegenstand laufender Verfahren sind“. Diese würden demnach aus Gründen der Beweissicherung weiterhin gelagert, um noch offene Streitverfahren juristisch klären zu können.

Die Rechtsstreits mit Lieferanten rund um die Maskenbestellungen werden im Spätsommer vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt. Dieser kündigte Verhandlungen für den 16. September an. Es geht dabei um insgesamt vier ausgewählte Fälle. Dreimal fordern Unternehmen Geld von der Bundesrepublik und einmal der Bund einen Teil des gezahlten Kaufpreises zurück.

Quellen: „Spiegel”,„Münchner Merkur“, „Bild“, DPA, AFP

09.06.2026 11:00
Schwellenländer-Aktien haben Anleger zuletzt mit hohen Renditen verwöhnt. Doch wer nur auf große Indizes setzt, könnte interessante Chancen verpassen. Zwei Fondsmanager verraten ihre Favoriten
09.06.2026 10:06

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI nimmt Kurs auf die Börse. Zugleich signalisiert die Firma aber auch, dass man sich damit Zeit nehmen wolle

Das Trio der erwarteten Mega-Börsengänge von Techunternehmen ist komplett: Auch der ChatGPT-Erfinder OpenAI hat nun eine Aktienplatzierung beantragt. Ähnlich wie beim Rivalen Anthropic bleiben Details des vertraulichen Antrags aber zunächst unter Verschluss. Auch ein genauer Zeitplan stehe noch nicht fest, teilte OpenAI am Montag (Ortszeit) mit. Es könne noch eine Weile dauern, da einige Vorhaben als privates Unternehmen einfacher umzusetzen seien, hieß es in einer Erklärung. 

Der KI-Riese strebt einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bei seinem Debüt eine Bewertung von bis zu 1 Billion Dollar an. Der Börsengang könnte im September erfolgen. Dies wäre ein wichtiger Test für das Interesse von Investoren an wachstumsstarken Technologieaktien. Auch der Konkurrent Anthropic drängt an die Börse.

OpenAI erhielt Anfang des Jahres 110 Mrd. Dollar bei einer Bewertung von 840 Mrd. Dollar von namhaften Investoren wie Softbank, Amazon und Nvidia. Das Unternehmen erneuerte zudem seine Partnerschaft mit dem frühen Investor Microsoft, was Kooperationen mit anderen Firmen wie Amazon und der Google-Mutter Alphabet ermöglichte. Der Windows-Hersteller hat seit 2019 insgesamt 13 Mrd. Dollar in OpenAI investiert. OpenAI erklärte im März, einen monatlichen Umsatz von 2 Mrd. Dollar zu erzielen. ChatGPT hatte zu diesem Zeitpunkt wöchentlich mehr als 900 Millionen aktive Nutzer.

OpenAI wurde 2015 als gemeinnützige Forschungsorganisation gegründet, rief jedoch vier Jahre später einen gewinnorientierten Zweig ins Leben, um die enormen Entwicklungskosten für Künstliche Intelligenz (KI) zu decken. Das Unternehmen kündigte nach internen Turbulenzen und der vorübergehenden Absetzung von Chef Sam Altman Ende 2023 im Dezember 2024 den Umbau in eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft („Public Benefit Corporation“) an. Dies stieß auf scharfe Kritik des frühen Unterstützers und Milliardärs Elon Musk, der OpenAI verklagte. Eine US-Geschworenenjury wies die Klage im Mai jedoch ab. Nach Einschätzung von Analysten wurde damit ein wichtiges rechtliches Hindernis für den Börsengang aus dem Weg geräumt.

Erst vor einer Woche meldete OpenAI-Konkurrent Anthropic seinen Börsengang an. Mit dem Vollzug dieses Schrittes wird noch in diesem Jahr gerechnet. Kurz vor der Ankündigung seines Börsengangs teilte der US-Konzern nach einer neuen Finanzierungsrunde mit, nun wertvoller als OpenAI zu sein. 65 Mrd. Dollar sammelte Anthropic ein, was einer Bewertung von 965 Mrd. Dollar entspricht.

Elon Musks Weltraumfirma SpaceX dürfte dagegen bereits am kommenden Freitag an der Börse starten – und strebt dabei aus dem Stand eine Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar an. Mit angestrebten Einnahmen von rund 75 Mrd. Dollar soll es der bisher größte Börsengang überhaupt werden. Mit einem Umsatz von weniger als 19 Mrd. Dollar und roten Zahlen im vergangenen Jahr wirkt die angepeilte Bewertung außergewöhnlich hoch. Doch SpaceX erklärt sie mit dem Versprechen zukünftiger Erfolge.

09.06.2026 09:29
Donald Trump ist unfähig, den Irankrieg zu beenden, seine eigenen Parteifreunde stellen sich immer häufiger gegen ihn. Doch ein schwacher Trump ist auch ein gefährlicher Trump
09.06.2026 09:00
Eine Fliegenwurmlarve befällt Kühe in den USA. Hinter dem Ausbruch steckt nicht nur Biologie, sondern auch die Politik von Donald Trump und Elon Musk.
09.06.2026 08:30

Trinkgeld geben – dazu gibt es in fast jedem Land eigene Regeln. Mancherorts will das Servicepersonal gar keines, anderswo ist es dringend auf einen großzügigen Bonus angewiesen. Wie geht es richtig?

Wer schon mal im Ausland essen gehen war, weiß: Beim Trinkgeld gelten dort oft andere Regeln als zu Hause. Was deutsche Urlauber als angemessen oder großzügig empfinden, kann andernorts befremdlich wirken – oder sogar als unhöflich gelten. Deshalb lohnt es sich, vor einer Reise einen Blick auf die lokalen Gepflogenheiten zu werfen.  

In Deutschland läuft es meist ungefähr so ab. Die Rechnung kommt, der Betrag wird mehr oder weniger großzügig aufgerundet und dies mit einem knappen „Stimmt so“ kommentiert. Genau diese Gewohnheit sorgt aber international immer wieder für Irritationen. Entweder, weil so deutlich weniger Trinkgeld gegeben wird, als lokal üblich ist, weil man die Übergabe des „Tips“ dort anders handhabt – oder weil man im jeweiligen Land gar keines gibt. Wer reist, sollte daher besser die jeweiligen Umgangsformen kennen.  

Nicht nur die Trinkgeld-Summe ist wichtig

Besonders deutlich werden die Unterschiede in Südeuropa. In Ländern wie Spanien, Portugal oder Italien wird Trinkgeld in der Regel nicht direkt überreicht. Stattdessen lässt man den Betrag diskret auf dem Tisch, einem Teller oder der Rechnungsmappe liegen, wenn man aufsteht und geht. Eine persönliche Übergabe wäre dem Servicepersonal womöglich zu direkt – und deshalb unangenehm. In Italien wird aber auch nicht überall ein Trinkgeld erwartet, da in der Rechnung häufig schon ein kleiner Betrag für „coperto“, also den Service, beinhaltet ist. Meist freut sich die Bedienung dennoch darüber.

Auch bei den Beträgen unterscheiden sich die Erwartungen zwischen verschiedenen Ländern erheblich. Während in Deutschland meist fünf bis zehn Prozent oder ein einfaches Aufrunden üblich sind, gelten in den USA und Kanada 15 bis 20 Prozent als Standard. Gern eher mehr. Dort wird der „Tip“ nämlich als fester Bestandteil des Einkommens angesehen, da die Kellner nur ein sehr geringes Grundgehalt bekommen. Gar kein Trinkgeld geben? In Deutschland notfalls machbar, in Amerika bitte nicht.

Erwartungen an Trinkgeld unterscheiden sich von Land zu Land

Am anderen Ende der Skala steht Japan. Dort kann Trinkgeld als Affront verstanden werden. Guter Service gilt als selbstverständlicher Teil der Arbeit, weshalb zusätzliche Geldbeträge den Eindruck erwecken können, die Beschäftigten würden nicht angemessen bezahlt oder müssten mit dem Bonus zu besserer Leistung motiviert werden. Das gilt auch für einige andere asiatische Länder. Wer unsicher ist, sollte daher lieber einmal das Internet befragen, welches Verhalten am jeweiligen Urlaubsort üblich ist.

Mit der deutschen „Aufrundungsmentalität“ kann man jedenfalls vielerorts anecken. Wer beispielsweise eine Rechnung von 38 Euro auf 40 Euro erhöht, gibt damit lediglich rund fünf Prozent extra. Ein solches Minimal-Aufrunden wird von vielen Servicekräften nicht einmal als echtes Trinkgeld betrachtet. Es wirkt oftmals eher beschämend als nett. Früher waren übrigens auch in Deutschland zehn Prozent Trinkgeld im Restaurant nahezu selbstverständlich. 

Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.

09.06.2026 07:00

Die Rentenkommission diskutiert offenbar eine Rentensplitting-Pflicht für Paare. Das hätte weitreichende Konsequenzen für die Ansprüche von gesetzlich Versicherten.

Noch tagt die Rentenkommission der Bundesregierung im Geheimen. Doch mögliche Vorschläge für die anstehende Rentenreform sickern schon vorab durch. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ diskutieren die Experten auch über die Einführung eines obligatorischen Rentensplittings für Paare. 

Eine Pflicht zum Rentensplitting hätte weitreichende Konsequenzen für die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie würde dafür sorgen, dass beiden Partnern automatisch je die Hälfte der gemeinsam erarbeiteten Rentenpunkte zugeschrieben werden. Derzeit ist es so, dass der Partner, der mehr arbeitet und verdient, auch mehr Rentenpunkte erwirbt. Das führt de facto dazu, dass viele Frauen geringere Rentenansprüche erwerben als ihre Männer.

Ersetzt Rentensplitting die Witwenrente?

Die Rentenkommission soll ihre Vorschläge Ende Juni vorstellen. Ob das Rentensplitting am Ende wirklich mit auf der Liste steht, ist noch unklar. Einführen ließe es sich wohl mit gewissen Übergangsfristen und unter Gewährung von Bestandsschutz für bestehende Witwen- und Witwerrenten. Sollte die Rentensplitting-Pflicht umgesetzt werden, dürfte es auch das Aus der Witwenrente und Witwerrente in ihrer jetzigen Form bedeuten. Denn das Splittingmodell ist als Ersatz für die Hinterbliebenenrente gedacht. 

Schon heute können Paare unter bestimmten Bedingungen freiwillig ihre Rentenansprüche splitten. Dafür müssen sie aber auf die spätere Zahlung einer Witwen- und Witwerrente verzichten. In der Praxis ist diese Option, die auch eingetragenen Lebenspartnern offensteht, für viele nicht lohnenswert und wird daher nur wenig genutzt. Die Deutsche Rentenversicherung rät Paaren, sich dazu individuell beraten zu lassen. 

Ökonomen haben sich bereits in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, die Witwenrente durch ein Rentensplitting zu ersetzen. So forderten die Wirtschaftsweisen 2023 in ihrem Jahresgutachten, das Rentensplitting zum Standard zu machen. Ziel sei es dabei, die Anreize für Frauen zu erhöhen, mehr zu arbeiten, schrieben die Ökonomen.

Die Logik dahinter: Im aktuellen Modell lohnt sich Mehrarbeit für den schlechter verdienenden Partner aus Rentensicht oft nicht, weil das eigene Einkommen (beziehungsweise die eigene Rente) auf die Hinterbliebenenrente angerechnet wird. Fällt die Aussicht auf eine lukrative Witwenrente oder Witwerrente weg, lohnt es sich hingegen mehr, selbst höhere Rentenansprüche aufzubauen.

Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.

08.06.2026 18:15
Kein gutes Fahrwasser für den Börsengang von SpaceX: Technologieaktien verlieren derzeit auf breiter Front. Das könnte nur eine Sommerdelle sein, womöglich aber auch der Anfang einer größeren Korrektur