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Deutschland ist das Land der „Hidden Champions“ – hoch spezialisierte Unternehmen, die in ihrer Branche Weltmarktführer sind – wie Aerodata aus Braunschweig
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Verkehrsminister Patrick Schnieder sollte gehen, doch der geplante Nachfolger springt ab. Der Kanzler steht plötzlich ohne Ersatz da. Wie es zu dem Chaos kam
Es ist ein ziemlich beispielloser Vorgang. Bundeskanzler Friedrich Merz will seinen Verkehrsminister Patrick Schnieder (beide CDU) entlassen – steht aber ohne Nachfolger da. Schnieder bleibt nur deshalb vorerst im Amt. Nicht nur in der Opposition wird von einem Chaos gesprochen.
Als Merz am Morgen zu einem Statement in den Garten des Kanzleramts kommt, sind an seiner Seite die neue Kanzleramtschefin Nina Warken, der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann und Philipp Amthor (alle CDU), neuer Bund-Länder-Koordinator im Kanzleramt. Einer aber fehlt: der neue Verkehrsminister. Merz sagt nur, es werde weitere Veränderungen im Bundeskabinett geben.
Dabei ist bereits klar, dass Schnieder gehen muss. Der CDU-Politiker selbst schreibt in einer SMS an Abgeordnete, der Bundeskanzler habe ihm gestern am späten Nachmittag mitgeteilt, dass er ihn als Verkehrsminister entlassen werde. Heute Morgen um 9.00 Uhr werde er dies in einer Pressekonferenz öffentlich machen. Nur: Das passiert nicht. Der Grund: Laut Unions-Kreisen sollte der Finanzpolitiker Fritz Güntzler (60) auf Schnieder (58) folgen.
Güntzler habe Merz gestern eine Zusage gegeben – sich das Ganze dann aber noch einmal überlegt und dann heute Morgen abgesagt, aus inhaltlichen Gründen, hieß es aus Koalitionskreisen. „Ein Torwart sollte nicht Linksaußen spielen“, hieß es. Güntzler habe festgestellt, dass er nicht der richtige Spieler für den Posten sei. Der Steuerexperte und Fußball-Fan ist Kapitän des „FC Bundestag.“
„Handwerklich katastrophal“
Im politischen Berlin ist die Aufregung groß. Der Grünen-Verkehrspolitiker Tarek Al-Wazir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, spricht von einem Chaos. An die Adresse des Kanzlers sagt er, dies sei „handwerklich katastrophal“. Auch in Unions-Kreisen ist von einer schlechten Umsetzung die Rede. Merz habe der schwarz-roten Koalition „ohne Not“ in der bereits begonnenen Sommerpause des Bundestags ein „echtes Ei ins Nest“ gelegt.
Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), sagt: „Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Bis gestern hatten wir einen Verkehrsminister, der zwar erkennbar mit der Schiene gefremdelt hat, aber wenigstens hatten wir einen. Jetzt ist Patrick Schnieder noch formal im Amt, aber de facto schon entlassen.“
Merz unzufrieden?
Hinter den Kulissen heißt es, Merz sei unzufrieden mit dem als farblos geltenden Minister aus Rheinland-Pfalz -Schnieders jüngerer Bruder Gordon ist seit Mai Ministerpräsident des Bundeslands. Die „Bild“ schreibt unter Berufung auf Regierungskreise, der Kanzler sei „zunehmend genervt“ vom ausbleibenden Fortschritt im Verkehrsministerium gewesen. Trotz seines Milliarden-Etats habe er die tiefgreifenden Probleme der deutschen Infrastruktur nicht in den Griff bekommen. Dazu komme, dass es mit der Bahn nicht besser laufe.
Für Aufsehen sorgten im vergangenen September Berichte aus dem Verkehrsministerium, dass es wegen Milliardenlücken zu Verzögerungen bei Neu- und Ausbauprojekten bei Autobahnen und Bundesstraßen kommen könnte. Das Geld dafür kommt nicht aus dem Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur – dort liegt der Fokus auf dem Erhalt der Schiene sowie von Brücken.
Für Bundesländer kursierten Listen, für welche Projekte genau keine Baufreigaben erteilt werden könnten – und in welchem Wahlkreis diese liegen. Nicht nur im Finanzministerium kam das nicht gerade gut an. Die Spitzen der Koalition vereinbarten dann aber zusätzliche Gelder. Merz sagte: „Alles, was baureif ist, wird gebaut.“
Krise bei der Bahn
Im vergangenen September stellte Schnieder eine neue Bahn-Strategie vor – unter dem Titel: „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“. Eine Schlüsselrolle spielen soll dabei die neue Bahnchefin Evelyn Palla, die Nachfolgerin von Richard Lutz wurde. Doch viele Züge sind weiter unpünktlich, bei der Sanierung hoch belasteter Strecken kam es zu Verzögerungen. Schnieder selbst stellte die Fahrgäste wiederholt auf weiterhin schwierige Jahre ein. Entscheidende Bausteine der Bahn-Strategie Schnieders sind noch nicht umgesetzt.
Als möglicher Nachfolgekandidat Schnieders wird der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger (CDU), gehandelt. Er war früher Staatssekretär im Verkehrsministerium. Doch auch der Nachfolger Schnieders wird vor großen Problemen stehen. Die Sanierung des Schienennetzes und damit Verbesserungen bei der Pünktlichkeit dürfte noch viele Jahre dauern und möglicherweise noch mehr Geld kosten. Und bei vielen maroden Brücken drohen kurzfristige Sperrungen.
Al-Wazir sagt mit Blick auf Merz und die Schnieder-Nachfolge: „Solange das Grundproblem nicht gelöst ist, kann er ernennen, wen er will: Trotz 500-Milliarden-Sondervermögen ist zu wenig Geld für die Verkehrsinfrastruktur da, weil gleichzeitig der Verkehrsetat halbiert worden ist und das Geld eben nicht zusätzlich investiert wird. Daran kann ein neuer Verkehrsminister nichts ändern, solange Kanzler und Vizekanzler diesen Grundfehler nicht korrigieren.“ EVG-Chef Burkert sagt: „Merz muss jetzt schnell einen tatkräftigen Ersatz für Schnieder auftreiben, sonst gehen die Probleme der Bahn ab jetzt auch auf sein Konto.“
Um welche Reformen es noch geht
Auf den neuen Minister warten weitere unerledigte Aufgaben. Da ist zum einen eine große Reform des Trassenpreis-Systems. Trassenpreise, auch Schienenmaut genannt, sind Gebühren für die Nutzung des Schienennetzes. Die Verkehrsbranche fordert Entlastungen, die Länder eine finanzielle Kompensation von Mehrbelastungen – damit nicht Verkehren auf der Schiene abbestellt werden müssen. Der neue Verkehrsminister wird auch in diesem Punkt mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) um mehr Geld verhandeln müssen. Noch nicht in trockenen Tüchern ist auch eine Führerschein-Reform, damit der Führerschein bezahlbarer wird.
Die EZB möchte neue Euro-Scheine einführen und fragt die Bürger nach ihrer Meinung. Klicken Sie sich hier durch Ihre – vielleicht – neuen Banknoten
Raus mit imaginären Gebäuden und Brücken, rein mit Vögeln, Flüssen und Legenden der europäischen Kultur: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Entwürfe für die neue Serie an Banknoten vorgestellt.
Vorausgegangen war ein Wettbewerb mit zwei möglichen Motiven: „Flüsse und Vögel“ und „Europäische Kultur“. Mehr als 1200 Grafiker hätten sich beworben, schreibt die EZB – und 25 von ihnen haben Vorschläge eingereicht. Eine Jury hat nun zehn Entwürfe ausgewählt – welcher ist Ihr Favorit?
Design A von Studio Joost Grootens
Design B von PunktFormStrich
Design C von Neue Gestaltung GmbH
Design D von Rudy Guedj und François Girard-Meunier
Design E von Myrsini Vardopoulou
Design F von Jan Robert Dünnweller
Design G von Rubio & del Amo und Cruz más Cruz
Design H von Atelier Goppel Toperngpong
Design I von Isabelle Daëron
Design J von Ville Tietvänäinen
Jetzt sind die Bürger Europas gefragt: Die EZB hat eine Umfrage gestartet, wie die Entwürfe bei den Menschen ankommen. Ende 2026 soll der EZB-Rat dann eine Entscheidung treffen und dabei die Antworten der Öffentlichkeit berücksichtigen.
Eigentlich sollte Varta vom Batterieboom profitieren. Nach dem Verlust des Großkunden Apple sucht die Traditionsfirma Schutz im Insolvenzverfahren – und kämpft um seine Zukunft.
Es hätte eine deutsche Industrie-Erfolgsgeschichte werden können. Varta wollte vom Boom der Batterien profitieren, in Zukunftstechnologien investieren und mit den ganz Großen der Branche mithalten. Stattdessen meldete das traditionsreiche Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen nun beim Amtsgericht Stuttgart ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Ziel dieses Schrittes ist es laut dem Unternehmen, die wirtschaftliche Zukunft zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen.
Varta will sein Überleben mit dem Gang zum Insolvenzgericht langfristig sichern. „Die Antragstellung erfolgt daher nicht aufgrund einer akuten Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb“, teilte das Unternehmen mit. Das Geschäft mit den Haushaltsbatterien sei nicht von dem beantragten Insolvenzverfahren betroffen.
Varta nennt Gründe für Insolvenzantrag
Wesentliche Ursachen für die erneute Krise seien deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungskurseffekte sowie zuletzt die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden, so Varta. Dabei handelt es sich um Apple. Die finanziellen Spielräume seien somit in den letzten Monaten immer enger geworden.
Nach Unternehmensangaben sind neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in Ellwangen auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH von der Antragstellung betroffen.
Die wichtigsten Geldgeber – darunter die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox – sehen inzwischen keine tragfähige Gesamtlösung mehr. Wie diese Woche bekannt wurde, wollen sie das Geschäft mit Haushaltsbatterien herauslösen und dafür eine neue Eigentümerstruktur schaffen. „Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen“, erklärte ein Sprecher der Gruppe.
Unternehmen mit langer Geschichte
Die Anfänge von Varta – der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“ zusammen – reichen bis ins Jahr 1887 zurück. Bereits Forscher Fridtjof Nansen hatte Varta-Batterien bei einer Polar-Expedition dabei. Heute hat Varta nicht mehr viel mit der Gesellschaft gemein, die als Accumulatoren-Fabrik in Hagen gegründet wurde. Der Grund: Varta geriet schon in den 1990er-Jahren in die Krise, wurde aufgespalten und stückweise verkauft.
Der Österreicher Michael Tojner stieg 2007 ein. Er kaufte die Sparte für Mikrobatterien und brachte sie zehn Jahren später an die Börse. Tojner schien den richtigen Riecher gehabt zu haben: Der Börsengang galt als Erfolg. Getrieben wurde die Entwicklung hauptsächlich von der rasant steigenden Nachfrage nach wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien - zum Beispiel für kabellose Kopfhörer und Smartwatches.
2019 kaufte Varta auch den Geschäftsbereich Haushaltsbatterien zurück. Innerhalb weniger Jahre vervierfachte der Konzern den Erlös nahezu. Um die Produktion zu erweitern, wurden Millionen investiert – und Schulden aufgenommen. In dieser Zeit stiegen die Schwaben auch in die Entwicklung von Batteriezellen für E-Autos ein.
Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall
2022 zeigten sich erste Risse im Bild: Varta hatte sich offenkundig zu sehr von einem seiner Hauptkunden – Apple – abhängig gemacht. Das US-Unternehmen hatte die Batterien aus Ellwangen damals in seinen kabellosen Ohrhörern verbaut. Als sich Apple einen weiteren Zulieferer suchte, geriet das Geschäft unter Druck.
In der Zeit danach versetzte die weltweite Wirtschaftsflaute und die hohe Teuerung der Unterhaltungselektronik einen Schlag. Die Nachfrage nach den kleinen Batterien ebbte ab. Die Konkurrenz aus Fernost und Probleme in der Lieferkette machten Varta zusätzlich zu schaffen.
E-Auto-Batterie in der Nische
Hinzu kam, dass die E-Auto-Batterie von Varta ein Nischenprodukt blieb. Die Batterie ist für Hybridfahrzeuge gedacht und kann nur wenig Strom speichern. Sie speichert Energie, die während der Fahrt erzeugt wird, zum Beispiel beim Bremsen. Damit wird ein E-Motor angetrieben, der den Verbrenner unterstützt. Die Varta-Führung bekundete zwar immer wieder, dass es viele Interessenten gebe. Einziger bekannter Kunde war damals Porsche.
Operative Schwierigkeiten, hohe Schulden, tiefrote Zahlen – Varta schlitterte in der Folge immer weiter in die Krise. Beschäftigte mussten in Kurzarbeit, später wurden Hunderte Stellen gestrichen. Arbeitnehmer- und Aktionärsvertreter machen vor allem Managementfehler für die Misere verantwortlich. Auch Tojner, der Aufsichtsratschef von Varta ist, gab sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kürzlich selbstkritisch: „Wir haben die Latte zu hoch gelegt. Wir haben verschiedene Projekte gestartet, groß investiert, die Produktion ausgebaut.“ Es sei zu viel Geld zu leichtfertig investiert worden, sagte Tojner.
Rheinmetall-Chef Papperger ist bekannt für seine offenen Worte. Bei der Grundsteinlegung des neuen Pulverwerks spricht er über die wirtschaftliche Lage seines Unternehmens und kritisiert die Reformen der Regierung
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US-Präsident Trump lässt nicht locke: An diesem Freitag läuft der gesetzliche Rahmen für seine globale Zölle aus – doch er hat schon eine neue Grundlage für Importgebühren gefunden
Wegen angeblich unzureichender Maßnahmen gegen Zwangsarbeit hat die US-Regierung auf Einfuhren von 60 Handelspartnern einen Zoll von 10 beziehungsweise 12,5 Prozent angekündigt. Darunter fallen auch Produkte aus der Europäische Union, wie das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer mitteilte.
Die Zölle fallen demnach von Freitagmorgen 06:01 Uhr deutscher Zeit (Mitternacht US-Ostküstenzeit) an und gelten nicht für den Import aller Waren. Ausgenommen sind laut US-Angaben unter anderem Produkte, die bereits bestimmten anderen Zöllen unterliegen, wie zum Beispiel Stahl und Aluminium. Weitere Ausnahmen gibt es für Waren, die zuvor bereits auf ein Schiff geladen wurden.
Die neuen Zölle kommen aus Sicht der US-Regierung gerade rechtzeitig, um dem Wegfall globaler Zölle entgegenzuwirken, für die Präsident Donald Trump sonst keine rechtliche Grundlage mehr gehabt hätte.
Was zu den Zöllen noch bekannt ist
Je nach Handelspartner hätten die Untersuchungen entweder Zölle in Höhe von 10 oder 12,5 Prozent als „angemessenen Satz“ ergeben, hieß es in der Mitteilung. Die Europäische Union wird darin gemeinsam mit Taiwan, Japan, der Schweiz und anderen Ländern als Handelspartner genannt, für die beide Sätze aufgeführt werden.
Ob 10 oder 12,5 Prozent fällig werden, machen die USA den Angaben zufolge auch davon abhängig, ob Handelspartner Verbote für mit Zwangsarbeit hergestellte Waren wirksam durchsetzen. Die Europäische Union handelt nach US-Darstellung in dieser Hinsicht nicht entschlossen genug. Den gleichen Vorwurf macht die US-Regierung etwa auch Kanada und Mexiko.
Eine Frist läuft aus
An diesem Freitag läuft die gesetzliche Frist für Trumps bisherige globale Zölle aus. Nach seiner Niederlage vor dem Obersten US-Gerichtshof im Februar hatte der US-Präsident in aller Eile neue Zölle in Höhe von 10 Prozent verhängt. Grundlage für die neuen Importgebühren war Paragraf 122 aus einem Handelsgesetz von 1974, der die Erhebung einer Abgabe von höchstens 15 Prozent für maximal 150 Tage erlaubt.
Danach müsste das US-Parlament seine Zustimmung geben – angesichts der ohnehin schon hohen Inflation, die durch höhere Zölle und Warenpreise noch weiter steigen dürfte, ist dies mehr als unwahrscheinlich.
Der Supreme Court hatte entschieden, dass Trumps frühere Zölle gegen Dutzende Handelspartner – darunter auch die Europäische Union – auf Basis eines Notstandsgesetzes rechtswidrig waren. Trump habe dabei seine Befugnisse als Präsident überschritten, urteilte eine deutliche Mehrheit der Richter. In der Konsequenz muss die US-Regierung Milliarden an Zöllen wieder zurückzahlen.
Gleiches Gesetz, anderer Paragraf
Dass Trump nun eine neue Zoll-Begründung liefert, war erwartet worden. Seine Regierung zieht das gleiche Handelsgesetz aus dem Jahr 1974 heran, um jetzt auf Basis eines anderen Paragrafen neue Zölle zu verhängen.
Paragraf 301 räumt der Regierung die Möglichkeit ein, bei nachweislich „ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden“ Handelspraktiken aktiv zu werden. Zuletzt hatte Trumps Handelsbeauftragter Greer Konsequenzen signalisiert, die aus Untersuchungen auf Basis des Paragrafen 301 zu Zwangsarbeit resultierten.
Zwangsarbeit als Begründung für neue Zölle
Anfang Juni hatten die USA Zölle gegen 60 Volkswirtschaften angedroht, weil diese Importe von Produkten aus mutmaßlicher Zwangsarbeit nicht verhindert oder bestehende Importverbote nicht genügend überprüft hätten.
Voraussetzung für Zölle auf Basis des Paragrafen 301 ist, dass die Regierung zuvor Stellungnahmen eingeholt und Anhörungen ermöglicht hat. Dies war zuletzt bei Brasilien der Fall, als Greer einen Zoll von 25 Prozent auf bestimmte Güter aus dem südamerikanischen Land verkündete. Die Untersuchung habe eine Vielzahl von unfairen Handelspraktiken offenbart, hieß es.
Konzessionen und Sicherheitsnetze
Für die meisten Importe aus der EU galt bislang ein Zoll von bis zu 15 Prozent. Grundlage dafür ist ein bilaterales Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA, auf dass sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump im August 2025 geeinigt hatten, um einen Handelskrieg abzuwenden.
Brüssel machte weitere Zugeständnisse und schaffte etwa EU-Zölle auf US-Industriegüter ab. Angesichts der sprunghaften Politik unter Trump hat die EU aber zusätzlich ein Sicherheitsnetz eingebaut: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder Regelungen aussetzen, können auch Zugeständnisse der ausgesetzt werden.
Bislang hält sich Washington laut Informationen aus Brüssel zumindest in den meisten Fällen an das Abkommen. Für rund 93 Prozent der EU-Exporte in die Vereinigten Staaten fielen Zölle in Höhe von maximal 15 Prozent an, sagte ein EU-Beamter. Bei den restlichen Produkten liege der Satz allerdings höher: Dies gelte etwa für Käse, der effektiv mit knapp 25 Prozent verzollt werde.
Trotz starker Nachfrage nach E-Autos rechnet der VW-Konzern mit einem Umsatzrückgang. Der Gewinn stagniert und das China-Geschäft schwächelt
Europas größter Autobauer Volkswagen stellt sich trotz einer hohen Nachfrage nach seinen elektrischen Kleinwagen auf schwächere Erlöse ein. Das Unternehmen rechnet nach Angaben vom Freitag nun für das Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent, statt eines Wachstums von bis zu drei Prozent.
VW-Chef Oliver Blume sprach von einem extrem herausfordernden Umfeld für die Autoindustrie und verwies auf geopolitische Krisen, Handelskonflikte, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Märkte und einen verschärften Wettbewerb. Zugleich zeige die Neuausrichtung des Unternehmens Wirkung. Beim Gewinn rechnet das Unternehmen mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau.
In den ersten sechs Monaten sah es hier jedoch schlechter aus: Der Betriebsgewinn sank in dem Zeitraum um 11,6 Prozent auf 5,9 Mrd. Euro, unter dem Strich waren es mit 3,1 Mrd. Euro sogar gut 30 Prozent weniger. Dabei spielten vor allem das Aus für die Produktion des elektrischen ID.4 in den USA und andere Sondereffekte eine Rolle.
Die Auslieferungen fielen konzernweit um fast 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge, wie der Konzern bereits zuvor mitgeteilt hatte. Auf dem wichtigen Markt China sackten die Verkäufe sogar um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ab. Außerhalb Chinas sah es dagegen beim Verkauf etwas besser aus.
Finanzchef Arno Antlitz sagte, derzeit liege die operative Umsatzrendite mit 3,8 Prozent auf einem zu niedrigen Niveau und unterstreiche den Handlungsbedarf. „In einem Umfeld, in dem der Gesamtmarkt in China um 20 Prozent zurückgeht und chinesische Wettbewerber ihre Exporte und dadurch den Wettbewerbsdruck in Europa erhöhen, reichen die bislang geplanten Initiativen nicht aus.“
Streit um Blumes Sparpläne für VW
Blume hatte zuletzt mit dem Abbau von 50.000 Stellen gedroht und das damit begründet, dass die Gemeinkosten bei VW um 20 Prozent höher liegen als bei vergleichbaren Autobauern. Vier Werke in Deutschland stehen auf dem Prüfstand – zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen. 35.000 Stellen sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
Von Gewerkschaft und Betriebsrat kommt bereits Widerstand gegen die weitergehenden Sparpläne. Ebenso vom Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt. Zusammen mit den Arbeitnehmern stellen sie dort die Mehrheit. In dem Gremium fielen die Pläne Berichten zufolge dann auch zunächst durch.
